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Stand: 14.10.2007 | Inhaltsverzeichnis

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Entwicklung einer neuen Klavierschule

Vermutlich war es Frühjahr oder im Sommer 1849, als Chopin zum letzten Mal versuchte, eine Idee in die Tat umzusetzen, die ihn schon mehrere Jahre zuvor beschäftigt hatte, nämlich eine Klavierschule zu schreiben. Sie sollte die Erfahrungen, die er während seiner langjährigen Unterrichtstätigkeit gesammelt hatte, zusammenfassen. Im Gespräch mit Freunden nannte Chopin, das geplante Lehrbuch "Methode" oder "Methode der Methoden". Doch das Vorhaben ist über einen Entwurf von 16 Seiten nie hinausgekommen. Chopin hatte seine Aufzeichnungen auf Französisch gemacht, und oft wieder durchgestrichen und insgesamt mit vielen Rechtsschreibfehler geschrieben. Es finden sich dort sowohl praktische als auch theoretische Vorschläge, die er später anhand von Beispielen hätte erläutern und weiterentwickeln können. Leider hatte er nicht mehr Kraft, das Werk fertigzustellend, aber er notierte seine Gedanken in großer Eile und hoffte, dass er selbst oder eine andere Person sie später ordnen würde. Doch sogar diese Notizen musste er bald aufgeben.

In seinen Aufzeichnungen empfiehlt Chopin beispielsweise, Tonleiterübungen immer in Ges-Dur zu beginnen, da die schwarzen Tasten für die langen Finger bequemer seien. Die Tonleitern seien so zu üben, dass die Anzahl der schwarzen Tasten stetig abnimmt und der Schüler sich langsam der laut Chopin schwersten Tonart nähert, nämlich der C-Dur. Chopin legte Wert darauf, jeden Finger einzeln zu trainieren, und wehrte sich dagegen, sie alle mit gleichem Kraftaufwand einzusetzen. Es gibt genaue Anweisungen, auf welche Arten Triller ausgeführt werden können (auch mit mehr als zwei Fingern), ebenso Folgen von terz-, Sext- und Oktavparallelen. Er stellt unterschiedliche Fingersätze für chromatische Tonleitern vor und widmet sich ebenfalls der Bewegung des Handgelenkes. Doch in den Notizen finden sich auch allgemeine Gedanken zur Musikästhetik, die in mehreren Punkten gegliedert sind und vermutlich den Entwurf für den geplanten Einteilungsteil darstellen.

Chopin betont, dass der Ton allein noch keine Musik sei, sondern dass diese erst aus der Verbindung verschiedener Töne entstehe. Er vergleicht Töne und Wörter miteinander und stellt ihren gemeinsamen Ursprung heraus, betont hierbei aber die "Unbestimmtheit" (vermutlich auf der sematischen Ebene) der musikalischen Klänge wie auch der Musiksprache allgemein ("la langue indŽdfinie de la musique"). Doch zugleich ist Musik für ihn ein Ausdruck des Gedankens ("l'expression de notre pensée") und eine Darstellung des Gefühls ("la manifestation de notre sentiment par les sons"). Musik ist für ihn eine Verbindung von Kunst und Technik: die Kunst, Gedanken durch Töne auszudrücken ("l'art d'exprimer ses pensées par les sons"), und die Technik, Töne für etwas einzusetzen ("l'art de manier les sons")

Quellenangaben

(Textauszug aus "Chopin, Sein Leben, sein Werk, seine Zeit", Tadeusz A. Zielinski, ISBN 3-7857-0953-6)

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