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Stand: 14.10.2007 | Inhaltsverzeichnis

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Post Mortem

Am nächsten Tag mahlte Teofil Kwiatkowski mit Aquarellfarben den auf einen Kissen ruhenden Kopf des Verstorbenen. Auch Albert Graefle zeichnete mit Bleistift ein Portrait. Clésinger nahm die Totenmaske ab und fertigte einen Abguss der Hand an. Bei der Obduktion wurde das Herz entfernt, anschließend wurde der Leichnam einbalsamiert und in der Krypta La Madeleine aufgebahrt, wo er bis zu der fast zwei Wochen später stattfindenden Trauerfeier blieb.

In der Pariser Presse fand Chopins Tod ein großes Echo. Die Artikel der polnischen Presse, die sich Chopins Tod widmeten, zeichneten sich selbstverständlicherweise durch eine ganz besondere Stimmung aus. Oskar Kolberg, der bekannte Volksmusikforscher und Freund des Komponisten, schreib am 1. November in der "Biblioteka Warszawska" (Warschauer Bobliothek):
"... kein Redner erschutterte stärker als er seine Zuhörer, kein Arzt verstand es erfolgreicher als er, dem Herzen zugefügte Wunden zu lindern, keine Hand hielt seit Beethovens Tod mutiger das Zepter der Musik und keiner schwang es sanfter und anmutiger als er. Jeder, dessen Herz sorgenvoll war, verlangte nach ihm wie nach dem Retter; und jedem, der Trost brauchte, war es wie Balsam für das Herz; und die Herzen der Kinder und jungen Mädchen fühlten sich von ihm angezogen wie von einem geliebten, und diese Quelle des Trostes stand jederzeit allen offen."

Am 30. Oktober fand in der Kirche La Madeliene der Trauergottesdienst statt. Während der Sarg aus der Krypta getragen wurde, spielte das Orchester Chopins Trauermarsch in der Instrumentierung von Henri Reber. Anschließend spielte der Organist Louis Lefébure-Wély die Préludes e-moll und h-moll. Zum Abschluss der Feierlichkeiten erklang Mozarts Requiem mit dem Orchster und dem Chor der Konzertgesellschaft des Konservatoriums unter der Leitung von Nacrisse Girard; unter den Solisten waren Pauline Viardot und Luigi Lablache.

Von der Kirche bewegte sich der Leichenzug zum Friedhof Père-Lachaise. An der Spitze schritt Fürst Adam Czartoryski, neben ihm Giacomo Meyerbeer, stellvertretend für andere Komponisten. Neben dem Sarg, das Bahrtuch haltend, gingen Marcelinas Ehemann Aleksander Czartoryski, Franchomme, Delacroix und Pleyel. Hinter dem Sarg liefen Chopins Schwester Luduwika, ihre Tochter und Jane Stirling, hinter ihnen viele nahe und entfernet Freunde, bekannte, Verehrer und Landsleute des Künstlers.

Die Kosten dieses - ganz privaten - Begräbnisses übernahm Luduwika, die sich von Miß Stirling 5000 Francs zu diesem Zweck geliehen hatte. Clésinger hatte das Grabmal entworfen und auch angefertigt, und es wurde von einem Komitee finanziert, dessen Vorsitzender Delacroix war. Die feierliche Enthüllung der Skulptur fand zum ersten Todestag Chopins am 17. Oktober 1850 statt.

Luduwika Jedrzejewicz räumte nach dem Begräbnis die Wohnung am Place Vendome aus und kehrte nach Warschau zurück. Persönliche Sachen ihres Bruders, Manuskripte und andere kleinere Gegenstände, nahm sie mit, ebenso sein Herz, das sie in einem speziellen Gefäß in Spiritus transportierte. Seit 1850 ruht es in einer Urne in einer Säule der Heiligkreuz-Kirche in Warschau, nur wenige Schritte von Chopins letzter Wohnung in Polen entfernt. Im Jahre 1880 versah Leandro Maroni die betreffende Säule mit einem Epitaph, das einen Satz aus Matthäus 6 enthält: "Denn wo dein Schatz ist, das ist auch dein Herz."

Quellenangaben

(Textauszug aus "Chopin, Sein Leben, sein Werk, seine Zeit", Tadeusz A. Zielinski, ISBN 3-7857-0953-6)

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